Interview mit Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus

„Wir verfügen über ein gewaltiges Produkt"

Das Wallis ist dieses Jahr Gastregion an der Ferienmesse. Mit Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, im Gespräch über die Bedeutung des Wanderns und die emotionale Bindung des Gastes zur Natur.

Für Wallis-Tourismus ist Wandern diesen Sommer ein Schwerpunktthema. Weshalb?
Urs Zenhäusern: Wandern ist momentan ein Mega-Trend und lange nicht mehr nur für die Personen 50+. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Gäste das lustvolle Erlebnis suchen. Ob dies nun die Landschaft, die Gastronomie oder die Beherbergung betrifft: Der Gast will Genuss für alle Sinne. Im Wanderparadies Wallis kommen die Gäste natürlich auf ihre Rechnung, denn wir verfügen über ein gewaltiges Produkt. Noch mehr profitiert der Gast, wenn er eine Tour in Begleitung eines Wanderleiters oder Bergführers unternimmt. Der kennt sich aus in Faune, Flora, Brauchtum und der Bergwelt. Mit den verschiedenen Themenwegen sprechen wir zudem alle Altersgruppen an. Und nicht zuletzt findet auch im Sommer ein Teil der jährlich bis zu 4000 Veranstaltungen statt. Ich kann ruhig behaupten, dass das Wallis eine enorme Festhütte ist.

Will der Gast einfach zurück zur Natur?
In der Tat stellen wir fest, dass der Gast ein Mega-Interesse zeigt, Natur zu erleben. Die Erholung muss so natürlich wie möglich sein: frische Luft, unverbaute Landschaften, keine Hektik. Darin liegt eine enorme Chance für das Wallis, denn kaum 10 Prozent der Bodenfläche sind urbanisiert. Heute ist die Sensibilität für die Vorgänge in der Natur gross, dazu gehört leider auch der Gletscherschwund. Der Klimawandel ist dramatisch, vielleicht sind wir die letzten Zeitzeugen der Gletscher. Das schafft eine emotionale Bindung zur Natur.

Die Natur ist das Kapital des Walliser Tourismus. Wie sehen Sie dem Klimawandel entgegen?
Das Wallis profitiert von seinen geografischen und topografischen Voraussetzungen. Die meisten unserer Ferienorte liegen auf 1500 müM. und höher. Die Skigebiete sind über der heute kritischen Schneegrenze. 9 Walliser Skidestinationen führen über 3000m und verfügen über Gletscherpisten. Davon werden 2 ganzjährig für den Schneesport betrieben. Damit ist das Wallis die schneesicherste Wintersportdestination der Alpen. Zur Schneesicherheit gehören heute auch Beschneiungsanlagen. Sie sind heute weltweiter Standard. Im Sommer profitiert die erfrischende Bergregion ebenfalls von der Klimaerwärmung. Immer mehr Gäste ziehen die gesunde Bergfrische der Gluthitze in Städten und Badedestinationen vor.

Sie sagen, das Wallis sei ein gewaltiges Produkt. Wo aber sehen Sie Erneuerungsbedarf?
Im Bereich der Infrastruktur ist Erneuerungsbedarf da. Gemäss einer Studie verfügt das Wallis über die beste touristische Infrastruktur der Schweiz. Und trotzdem haben wir einen Investitionsbedarf für Bergbahnen und die Beherbergung in der Höhe von zwei Milliarden Franken. Da möchte ich nicht wissen, wie hoch der Erneuerungsbedarf in Regionen ist, die eine weniger gute Infrastruktur haben als wir.

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