Starker Franken, Unruhen in arabischen Ländern, Wirtschaftskrise: Davon scheint der Flughafen Bern-Belp nicht viel gemerkt zu haben.
Wir sind in der Tat stolz auf das Ergebnis im 2011. 184831 Passagiere haben den Flughafen Bern-Belp benutzt - das sind so viele, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Wir ernten hier die Früchte unseres Marketing-Konzeptes, das wir vor drei Jahren ausgearbeitet haben.
Welches sind denn konkret die Gründe für dieses erfolgreiche Jahr?
Die Steigerung von 82 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 ist auf die sehr gute Nachfrage nach Linienflügen der SkyWork Airlines, Cirrus Airlines/Lufthansa und Air France zurückzuführen. Einen wesentlichen Anteil am Passagierrekord haben auch die saisonalen Ferienflüge der Helvetic Airways. Mit 35 Destinationen verzeichnet der Flughafen Bern-Belp auch ein Rekordangebot an Destinationen in Europa und Nordafrika. Die erfolgreichen Streckenaufnahmen von SkyWork Airlines und Helvetic Airways zeigen aber auch, dass der Flughafen Bern-Belp mit seinen Vorteilen einem klaren Bedürfnis von Wirtschaft und Tourismus im Einzugsgebiet entsprechen. Ich denke hier an das schnelle Check-in, die kurzen Wege und die familiäre Atmosphäre.
Mehr Passagiere bedeuten aber auch mehr Flugbewegungen.
Die Anzahl Flugbewegungen hat sich in keiner Weise gleich entwickelt wie die Anzahl Passagiere. Wir verzeichnen hier nur eine Zunahme von 10 Prozent. Im 2010 waren es 56193 Flugbewegungen, 2011 zählten wir 62101 Bewegungen. Dies entspricht - anders ausgedrückt - bloss einer Flugbewegung mehr pro Betriebsstunde des Flughafens.
Was bedeutet, dass die Flugzeuge besser ausgelastet sind.
Neben der gestiegenen Nachfrage hat das einen ganz bestimmten Grund: Mit der Pistenverlängerung dürfen die Airlines endlich ihre Flugzeuge voll auslasten. Dies war vorher aus Gewichtsgründen nicht möglich.
Mit der 4. Ausbauetappe befürchten Flughafen-Gegner eine Zunahme der Flugbewegungen. Was sagen Sie dazu?
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die vierte Ausbauetappe hat in keiner Weise zum Ziel, mehr Flugbewegungen zu generieren. Es geht um eine Entflechtung des Bodenverkehrs - nicht zuletzt auch aus Sicherheitsgründen. Es ist dies eine Folge von neuen Bestimmungen, die mit der Pistenverlängerung in Kraft getreten sind. Als Beispiel: Die Privatfliegerei soll von den Linienflügen getrennt werden. Geplant sind deshalb neue Rollwege und Hangars. Als Infrastruktur-Betreiber der wir sind, müssen wir unseren Partnern Perspektiven geben. Nicht nur den Airlines, sondern auch solchen, die für Unterhalt oder Wartung zuständig sind. In zwei Jahren möchten wir mit dem Ausbau beginnen.
Der Flughafen Bern-Belp ist nicht nur das Tor zur weiten Welt, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor.
Es ist mir wichtig, nicht nur betriebswirtschaftlich zu denken, sondern auch volkswirtschaftlich. Heute beträgt der Personalbestand umgerechnet 100 Vollzeitstellen. Im 2010 waren es bloss deren 55. Ich wünsche mir deshalb von Politik, Wirtschaft und Tourismus ein klares Bekenntnis zum Flughafen Bern-Belp. Wir sind kein Einzelkämpfer.
Ein Ausbau wurde eben beendet: das Schengen-Terminal.
Die Inbetriebnahme des Schengen-Terminals ist ein wichtiger Schritt für den Flughafen. Damit wird der Passagierfluss zwischen Reisenden in Schengen-Länder und Nicht-Schengen-Länder getrennt. Der Anbau war nötig um die Sicherheitsvorschriften des Schengen-Abkommens zu erfüllen.
Die Erreichbarkeit des Flughafens soll auch verbessert werden.
Es gilt, die Attraktivität unseres Flughafens langfristig zu sichern. Dazu gehört auch der öffentliche Verkehr. Wir begrüssen, dass der Versuchsbetrieb der Buslinie Bern-Bahnhof-Flughafen Bern Belp bis Ende 2012 verlängert wird. Ziel ist eine halbstündliche Verbindung und in Bern den Bus zentral auf dem Bahnhof-Vorplatz abfahren zu lassen. Für den Individualverkehr bieten wir Parkplätze in Terminalnähe. In diesem Zusammenhang ist die Realisierung der neuen kommunalen Zufahrtsstrasse ab Autobahnausfahrt Rubigen sehr wichtig. Die Wohnquartiere in Belp sollen vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Ganz generell streben wir eine nachhaltige Entwicklung des Flughafens an. Sonst werden wir überflügelt.
Interview: Jean-Luc Brülhart