Viele Reisende wollen heute nicht mehr eng eingequetscht im Bus sitzen, den Kaffee im Pappbecher trinken und auf unpersönlichen Autobahnraststätten pausieren müssen. Sie haben höhere Ansprüche und sind bereit, dafür etwas tiefer in die Tasche zu greifen - denn bei entsprechendem Komfort werden die Fahrstrecken während der Rundreise zur Erholung. Sobald die Koffer bei der Abfahrt verstaut sind, gibts Lachsbrötli und Champagner für die 30 bis 50 Passagiere. Sie sitzen zu dritt in einer Reihe in bequemen Ledersesseln. Ab und zu trinken sie etwas in der Sofalounge im Unterdeck, wo sie von einer Hostess bedient werden. Werden sie müde, schlafen sie im Oberdeck, das in einigen Bussen gar über eine Glasdecke verfügt. Zur Verpflegung hält der Car vor einem Vier- oder Fünfsterne-Hotel. Und nicht zuletzt fühlen sich die Kunden bei hochwertigen Carreisen gerecht behandelt: Alle im Bus zahlen gleich viel, einzelne Schnäppchenpreise gibt es nicht.
Car statt Flugzeug
Um den Wünschen der Ferienmachenden gebührend nachzukommen, schaffen immer mehr Unternehmen luxuriöse Cars an. Viele davon können an der diesjährigen Ferienmesse besichtigt werden. "In den letzten zwei Jahren hatten wir viele Kunden, die bewusst vom Flugzeug auf den Reisecar umgestiegen sind. Damit sind auch die Anforderungen an die Busbranche gewaltig gestiegen", erklärt Viktor Ackermann, Organisator des Bus-Reisemarkt-Schweiz und Experte der Busbranche. Es seien Leute, die wüssten, was sie wollten. An der Ferienmesse schauten sie sich die zahlreichen Busse an, würden mit den Anbietern sprechen und sich genau informieren.
Sicherheit als Argument
Viel Wert wird denn auch auf die Sicherheit gelegt. In den Bussen im mittleren und höheren Segment fahren deshalb neben dem Chauffeur stets eine Hostess mit, bei Doppelstockbussen oft gar zwei. "Die Leute wollen heute nicht mehr, dass der Chauffeur Unterhalter und Reiseleiter spielt", erklärt Ackermann. Sie wollten während der Fahrt eine Ansprechperson haben und mit ihren Wünschen und Anliegen nicht warten müssen, bis der Bus einen Halt macht. Zudem sei es auch für den Chauffeur besser, wenn er sich in der Pause erholen kann. Die höheren und längeren Fahrzeuge fordern die Lenker heute mehr als früher, wie der Experte erklärt. Unterstützend wirken bei den Cars der neusten Generation ein Abstandregeltempomat und ein Spurassistent. Während ersterer vor allem im Nebel sehr dienlich ist, warnt zweiterer den Chauffeur durch das Vibrieren des Sitzes, sobald ein Rad eine Sicherheitslinie überfährt.
Eurokrise als Glücksfall
Kaum Einfluss auf die Carbranche hat die Eurokrise. Weil der Carreise-Anbieter alle Teile der Reise selber organisiert, ist er nicht wie die Reisebüros nur auf die Provision angewiesen. "Er kann also reagieren und die Preise anpassen, da er zum Beispiel mit den Hoteliers nochmals verhandeln kann", erklärt Ackermann.
Tipps beim Buchen
Damit man nicht plötzlich im falschen Bus sitzt, müssen laut Experte Ackermann beim Buchen nur wenige Tipps befolgt werden: Das Carunternehmen sollte dem Swiss Bus-Driver Verband angehören, dem Werbefahrt- und Discountanbieter nicht angehören können. Gewährleistet ist damit auch, dass der Chauffeur auf dem neusten Ausbildungsstand ist. Genügend Bordpersonal ist zudem wichtig. „Der Rest ist eine Frage des Standards, den man sich leisten will", sagt Ackermann.
Rémy Kappeler